In der Zeit vom 1. März bis zum 16. März fand an der Gemeinschaftsschule Niebüll die Ausstellung

„ECHT KRASS! Wo hört der Spaß auf? – Jugendliche und sexuelle Gewalt“

statt. Zur Verfügung gestellt wird die Ausstellung vom Kieler Präventionsbüro „Petze“.
Ziel der Ausstellung ist es, Schülerinnen und Schüler durch die präventive Arbeit zum Thema zu informieren. Dadurch wird ein Bewusstsein der verschiedenen Möglichkeiten sexueller Grenzverletzungen geschaffen.

Präventionsbüro PETZE // PETZE-Institut für Gewaltprävention gGmbH

(Klicke auf das Logo, um zur Internetseite von „Petzte“ zu kommen.)
Dänische Straße 3-5
D-24103 Kiel
Tel. (0431) 91185
Fax (0431) 92709
E-Mail:
petze@petze-kiel.de

Die Leitsprüche des Präventionsbüros „Petze“ sind: „Petzen heißt auch Hilfe holen!“ und „Hilfe holen ist kein Petzen!“. Petzen ist in einigen Fällen genau das Richtige und sogar erwünscht, besonders in Fällen sexualisierter Gewalt und sexuellen Missbrauchs an Kindern.
Die Ausstellung bot den Jugendlichen der 8., 9. und 10. Klassen die Möglichkeit der Auseinandersetzung mit dem Thema „sexuelle Grenzverletzungen“ zu den Themenfeldern:
Sex sells: sexistische Werbung und Pornografie.
Trial & Error: eigene Bedürfnisse und die des Partners/der Partnerin
Stop & Go: Kommunikation in Teenagerbeziehungen
Love &Hate: Gruppendruck und emotionale Abhängigkeiten
Law & Order: Gesetzeslage und Hilfe bei sexuellen Grenzverletzungen
Durch den interaktiven Präventionsparcours wurde eine Stärkung der sozialen Kompetenz und eine Sensibilisierung der Jugendlichen erreicht. Handlungsalternativen und Auswege aus der sexualisierten Gewalt wurden vermittelt.
Die begleitende Lehrkräftefortbildung vom 17. Februar durch erfahrene Mitarbeiterinnen der „Petze“ und ein Elternbrief informierten über die Erscheinungsformen und Auswirkungen von sexualisierter Gewalt im Jugendalter. Die Fortbildung für die Lehrkräfte zeigte nicht nur Möglichkeiten der Prävention im Schulalltag auf, sondern auch Interventionsschritte, wenn Jugendliche von sexueller Gewalt betroffen sind.
Die „Petze“ stellte Lehrkräften das Handbuch „ECHT KRASS! – Unterrichtsmaterialien“ mit vielen abwechslungsreichen Unterrichtsideen und dazugehörigen Kopiervorlagen zur Vor- und Nachbereitung zur Verfügung.
Ermöglicht wurde die Ausstellung durch eine großzügige Spende der Stiftung der Nord-Ostsee-Sparkasse, die am 16. März in der Ausstellung übergeben wird.

 

Artikel aus dem Nordfriesland Tageblatt vom 18. März 2017

Besser schützen gegen Missbrauch

Rund um die Ausstellung „Echt krass! Wo hört der Spaß auf?“ stellten sich Acht- bis Zehntklässler dem Thema sexuelle Gewalt

Niebüll

„Wer im Vollrausch vergewaltigt wird, hat selbst Schuld.“ Harter Stoff rund um das Thema Jugendliche und sexuelle Gewalt wurde in den vergangenen beiden Wochen 340 Acht- bis Zehntklässlern in der Gemeinschaftsschule Niebüll geboten. Und zwar rund um die Ausstellung „Echt krass! Wo hört der Spaß auf?“. Diese sensibilisiert in fünf interaktiven, begehbaren Sprachboxen für ganz unterschiedliche Formen sexueller Grenzverletzungen – von der heftigen Anmache und Beschimpfung, von Schlampe bis Schlappschwanz – bis hin zu den rechtlichen Möglichkeiten nach einem Missbrauch.

„Das wichtigste Ziel ist die Thematisierung, miteinander über dieses schwierige Thema in den Dialog zu kommen“, sagt Nicole Ketelsen, die stellvertretende Schulleiterin. „Es ist spannend, was dabei heraus gekommen ist. Fast alle Schüler haben gesagt, dass sie vieles, was ihnen selbst oder um sie herum geschieht, nun anders einordnen“, sagt Stefan Simon, Klassenlehrer einer Zehnten, der seine Schüler intensiv auf das Thema vorbereitet hat und die gewonnenen Erkenntnisse nun auch nachbereitet. Es sei schon krasser Stoff. „Einige Situationen wären peinlich gewesen, wenn wir uns echten Personen und nicht den Stimmen aus der Box über den Kopfhörer hätten stellen müssen“, sagt Jendrik Nielsen, der sich zusammen mit Maximilian Hoppe an einer der Boxen des Präventionsparcours Reaktionen und Auswege aus Situationen mit sexualisierender Gewalt erarbeitet. Wie auch die anderen männlichen Jugendlichen. Denn die Ausstellung zeigt auch: Vergewaltigt werden nicht nur Mädchen.

Zur Verfügung gestellt wurde die Präsentation von dem Präventionsbüro „Petze“ in Kiel. „Der Name ist von Bedeutung“, sagt Nicole Ketelsen. Denn Petzen heißt auch Hilfe holen, und Hilfe holen ist kein Petzen. Wichtig ist, das Schweigen, in das die Scham missbrauchte oder gemobbte Jugendliche treibt, zu brechen. „Die Schwierigkeit dabei ist, dass der Missbruch in 80 Prozent aller Fälle im nahen sozialen Umfeld, meist in der Familie erfolgt“, sagt Stefan Simon.

„Ja, das ist mir schon passiert.“ Diesen Satz habe der Pädagoge bei der Vorbereitung auf die Ausstellung doch einige Male ins einer Klasse gehört. „Das berührt schon, zum Glück sind alle Lehrer dieser drei Klassenstufen für dieses Thema fortgebildet worden“, sagt er. Dazu zählt auch die Vermittlung von Interventionsschritten, wenn ein Schüler von sexueller Gewalt betroffen ist. Natürlich seien auch alle Eltern vorab darüber informiert worden, welche schwierigen Themen in diesem Halbjahr auf dem Unterrichtsplan stehen. Teil diesen Elternbriefs ist auch die Beschreibung der Erscheinungsformen und Auswirkungen sexualisierter Gewalt bei Jugendlichen, so dass die Mütter und Väter nun leichter diese Probleme bei ihren Kindern erkennen können.

Die Ausstellung von Kiel nach Niebüll zu holen, kostet natürlich Geld. Mit einer Spende von knapp 1000 Euro beteiligte sich die Nospa daran. „Dieses Thema ist so wichtig und überall präsent. Oft sind die Grenzen zwischen Spaß und Missbrauch fließend. Deshalb haben wir gerne einen kleinen Beitrag dafür geleistet, dass diese Jugendlichen für künftig besser gewappnet sind“ sagt Nospa-Vertreter Ralf Friedrichsen, der auch selbst mit den Schülern durch die Ausstellung ging. Dass sich diese Klasse schon vorher mit dem Thema auseinander gesetzt hat, ist spürbar. Schwellenängste, sich den Situationen in den Boxen zu stellen oder miteinander über sexuelle Gewalt zu sprechen, gibt es nicht mehr. Die Atmosphäre ist intensiv, aber locker.

Anja Werner